Zum Inhalt springen
VPO Finance

Absicherung

Sterbegeldversicherung 2026: Kosten, Leistung und wann sie sich lohnt

Von Lukas Bruhn18. Juni 20269 Min Lesezeit
Weiße Calla-Lilie neben ordentlich gestapelten Unterlagen und Füller auf hellem Holztisch

Eine Beerdigung kostet heute zwischen 5.000 und 13.000 Euro. Wer die Kosten nicht den Angehörigen überlassen will, stößt auf die Sterbegeldversicherung: eine kleine kapitalbildende Lebensversicherung, die im Todesfall eine feste Summe auszahlt. Ob sie sich rechnet, hängt stark vom Eintrittsalter und den Konditionen ab.

Was eine Sterbegeldversicherung leistet

Die Police zahlt im Todesfall einen vorher festgelegten Betrag an eine bezugsberechtigte Person — meist zwischen 3.000 und 20.000 Euro. Das Geld ist nicht zweckgebunden; in der Praxis deckt es Bestattung, Grabstein und die Kosten rundherum.

Der Unterschied zur Risiko-Lebensversicherung: Die Police läuft lebenslang, nicht bis zu einem bestimmten Alter. Viele Tarife verzichten auf die Gesundheitsprüfung — dafür gibt es eine Wartezeit, in der nur eingeschränkt geleistet wird.

Bestattungskosten 2026: die Lücke, die sie decken soll

Die Kosten einer Beerdigung variieren stark. Eine einfache Bestattung ist ab rund 3.000 bis 5.000 Euro zu haben, aufwendige Varianten erreichen 20.000 Euro. Eine Erdbestattung mit Grabmal kostet rund 6.000 bis 7.000 Euro, eine Feuerbestattung 4.000 bis 6.000 Euro. In Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg fallen die Kosten höher aus, auf dem Land bis zu 20 Prozent weniger. Der Trend zeigt nach oben.

Gesetzliches Sterbegeld: was 2026 noch existiert

Eine staatliche Leistung für die Beerdigung gibt es für die meisten Menschen nicht mehr. Das Sterbegeld der gesetzlichen Krankenversicherung wurde gestrichen.

Ausnahmen: Beamte erhalten über das Versorgungsrecht ein pauschales Sterbegeld, in der Regel das Zweifache der monatlichen Bezüge. Stirbt jemand durch einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit, zahlt die Berufsgenossenschaft bis zu 6.420 Euro. Für alle anderen gilt: Wer nicht privat vorsorgt, überlässt die Kosten den Angehörigen oder dem Nachlass.

Marktlage 2026: Tarife, Beiträge, Wartezeiten

Die Lebensversicherung schrumpft — 2025 sank die Zahl der Verträge laut GDV um 1,7 Prozent auf 82,8 Millionen. Das Rating von Franke & Bornberg hat 2026 erstmals 59 Tarife von 30 Versicherern untersucht; der Markt ist vorhanden, aber überschaubar.

Die Beiträge hängen stark vom Eintrittsalter ab. Orientierungswerte:

  • 40 Jahre, 3.000 Euro Summe: ca. 7–12 Euro/Monat
  • 50 Jahre, 5.000 Euro Summe: ca. 20–30 Euro/Monat
  • 70 Jahre, 10.000 Euro Summe: ca. 110–175 Euro/Monat

Das Höchsteintrittsalter liegt meist bei 80 Jahren, einzelne Anbieter nehmen bis 95 auf. Wartezeiten bei Tarifen ohne Gesundheitsprüfung: üblicherweise 6 bis 36 Monate. Stirbt die versicherte Person innerhalb der Wartezeit durch Krankheit, gibt es häufig nur die eingezahlten Beiträge zurück; bei Unfalltod meist die volle Summe.

Der Garantiezins liegt aktuell bei 0,25 Prozent — die Rendite bleibt in fast allen Fällen mager.

Was Tests und Verbraucherschützer sagen

Das Bild ist kritisch. Die Verbraucherzentrale: Sterbegeldversicherungen rechnen sich oft nicht — wer spät abschließt, zahlt über die Jahre häufig mehr ein, als ausgezahlt wird. Der Bund der Versicherten rät grundsätzlich ab.

Stiftung Warentest urteilte 2021: selten sinnvoll, für 65-Jährige meist ein Minusgeschäft. Das aktuelle Rating von Franke & Bornberg (2026) fällt ebenfalls nüchtern aus — kein einziger der 59 geprüften Tarife erreichte die Höchstnote. Schwächen vor allem bei Zusatzleistungen wie Bestattungsorganisation und digitalem Nachlassmanagement.

Steuer, Pfändungsschutz und Auszahlung

Steuer: Die Auszahlung an Hinterbliebene aus einer privaten Sterbegeldversicherung ist einkommensteuerfrei. Bei betrieblichen Verträgen gilt die Leistung als steuerpflichtiger Bezug.

Pfändungsschutz: Die Police ist nur geschützt, wenn sie ausschließlich der Bestattung dient und die Summe angemessen bleibt — die Rechtsprechung nennt rund 3.000 bis 3.579 Euro. Ohne benannte bezugsberechtigte Person fällt das Geld in den Nachlass und ist für Gläubiger angreifbar.

Auszahlung: Wird eine Person unwiderruflich benannt, fließt die Summe an der Erbmasse vorbei direkt an sie. Viele Tarife erlauben auch, die Leistung direkt an den Bestatter abzutreten.

Alternativen zur Sterbegeldversicherung

Wer Vorsorge treffen will, hat Alternativen — und die schneiden häufig besser ab:

Ein Banksparplan oder Tagesgeldkonto ist jederzeit verfügbar, kennt keine Wartezeit und bringt bei heutigem Zinsniveau oft mehr als die Sterbegeldversicherung. Der Preis: Selbstdisziplin — das Geld muss konsequent zurückgelegt werden und ist nicht automatisch für die Beerdigung reserviert.

Eine Risiko-Lebensversicherung bietet bei niedrigem Beitrag eine hohe Summe, läuft aber nur befristet und ist nicht auf die Bestattung zweckgebunden.

Häufige Fehler beim Abschluss

Fehlende Bezugsberechtigung: Ohne benannte Person landet die Leistung im Nachlass und ist angreifbar.

Unterschätzte Wartezeit: Wer kurz nach Abschluss durch Krankheit stirbt, dessen Angehörige erhalten oft nur die eingezahlten Beiträge zurück.

Später Abschluss: Im hohen Alter übersteigt die Summe der Beiträge schnell die Versicherungssumme. Dann zahlen Sie mehr ein, als ausgezahlt wird.

Für wen sie passt — für wen nicht

Die Sterbegeldversicherung ist kein Renditeprodukt, sondern eine Zweckbindung. Sie kann sinnvoll sein, wenn Sie keine Rücklagen haben, Angehörigen die Kosten sicher abnehmen wollen und früh genug abschließen, damit Beiträge und Leistung in einem vernünftigen Verhältnis stehen.

Sie passt nicht, wenn Sie erst im hohen Alter einsteigen oder grundsätzlich Rücklagen bilden könnten. Entscheidend ist die Rechnung vorab: Beitrag × voraussichtliche Laufzeit gegen Versicherungssumme. Erst diese Zahl zeigt, ob der Vertrag sich trägt.

Wenn Sie unsicher sind, welche Vorsorge zu Ihrer Situation passt, sprechen Sie mit uns. Wir schauen uns Ihre Lage neutral an und sagen Ihnen, ob eine Versicherung oder eine andere Lösung der bessere Weg ist.

Quellen: Bestattungskosten — meolea.com, eu-baustoffhandel.de (Okt 2025); gesetzliches Sterbegeld — dbb.de, rentenbescheid24.de, vbba.de; Marktlage — GDV via versicherungsbote.de, franke-bornberg.de (Rating 2026); Tarife & Beiträge — HanseMerkur, LV 1871, HUK, Solidar, tarifcheck.de; Tests — Stiftung Warentest (Finanztest 05/2021), Franke & Bornberg (2026); Verbraucherschutz — verbraucherzentrale.de, Bund der Versicherten, verivox.de. Stand: Juni 2026.

LB

Lukas Bruhn

Versicherungsspezialist · VPO Finance GmbH

Spezialist für Hinterbliebenenabsicherung, die Absicherung der Arbeitskraft und Sachversicherungen. Erklärt komplexe Themen verständlich — ohne Fachchinesisch.

Haben Sie eine konkrete Frage?

Ein unverbindliches Gespräch ist oft der schnellste Weg zur Antwort.