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Absicherung

Krankentagegeld: Was passiert mit Ihrem Gehalt, wenn Sie länger krank sind?

Von Lukas Bruhn3. Juli 20268 Min Lesezeit
Person im Homeoffice, krank, Laptop zugeklappt — symbolisch für Einkommensausfall bei Krankheit

Sechs Wochen zahlt Ihr Arbeitgeber bei Krankheit das volle Gehalt weiter — das ist gesetzlich geregelt. Was danach kommt, überrascht viele: Das gesetzliche Krankengeld liegt deutlich unter dem bisherigen Nettoeinkommen. Für Selbstständige gibt es ab dem ersten Krankheitstag häufig gar nichts. Das Krankentagegeld schließt genau diese Lücke. Wer es hat, merkt den Unterschied kaum. Wer es nicht hat, sieht ihn sofort auf dem Kontoauszug.

Was nach sechs Wochen passiert

Bis zur sechsten Krankheitswoche zahlt der Arbeitgeber das volle Gehalt. Ab der siebten Woche übernimmt die gesetzliche Krankenkasse — aber nicht zum gleichen Satz.

Das gesetzliche Krankengeld beträgt 70 Prozent des Bruttolohns, maximal 90 Prozent des Nettolohns. In der Praxis bedeutet das für jemanden mit 3.000 Euro netto einen monatlichen Einkommensverlust von 400 bis 600 Euro — dauerhaft, nicht einmalig.

Hinzu kommt: Das Krankengeld ist auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren für dieselbe Erkrankung begrenzt. Danach ist die Leistung erschöpft. Für Selbstständige gilt das noch deutlicher — wer keinen Krankengeldanspruch vereinbart hat, bekommt ab dem ersten Krankheitstag kein Einkommen.

Was das Krankentagegeld leistet

Das private Krankentagegeld ist eine tägliche Zahlung, die individuell vereinbart wird. Sie bestimmen, ab welchem Tag die Leistung beginnt und wie hoch sie ist.

Typische Karenzzeiten sind ab dem 4., 8., 15. oder 43. Tag. Je später die Leistung beginnt, desto günstiger der Beitrag. Angestellte, die auf die sechs Wochen Lohnfortzahlung zählen können, wählen häufig einen Beginn ab dem 43. Tag — also genau dann, wenn das Krankengeld einsetzt und die Lücke entsteht. Selbstständige brauchen Schutz oft schon ab dem ersten oder dritten Tag.

Wie groß ist die Lücke wirklich?

Ein konkretes Beispiel: Jonas, 31, Projektmanager, verdient 4.200 Euro brutto — netto 2.750 Euro. Nach einem Bandscheibenvorfall ist er vier Monate krankgeschrieben.

  • Wochen 1–6: Volle Lohnfortzahlung, 2.750 Euro netto.
  • Ab Woche 7: Gesetzliches Krankengeld, rund 2.160 Euro netto — monatliche Lücke knapp 600 Euro.
  • Gesamt drei Monate Krankengeld: Rund 1.800 Euro fehlen.

Mit einem Krankentagegeld von 60 Euro pro Tag ab dem 43. Tag wäre die Lücke vollständig geschlossen. Der Beitrag für einen gesunden 31-Jährigen: rund 25 bis 35 Euro im Monat.

Für wen ist Krankentagegeld besonders relevant?

Nicht für jeden ist der Bedarf gleich groß. Diese Gruppen sollten es ernsthaft prüfen:

  • Angestellte mit hohem Fixkostenanteil: Wer Miete, Kreditraten oder Unterhalt zahlt, spürt einen monatlichen Einkommensverlust sofort.
  • Selbstständige und Freiberufler: Kein Arbeitgeber, der sechs Wochen überbrückt. Ohne Vorsorge entsteht ab Tag eins ein Einkommensproblem.
  • Gutverdiener: Das gesetzliche Krankengeld ist auf ein jährliches Bruttoeinkommen von 66.150 Euro gedeckelt (Stand 2026). Wer mehr verdient, verliert proportional mehr.
  • Personen mit laufenden Krediten: Eine Immobilienrate läuft auch dann weiter, wenn das Einkommen sinkt.
  • Elternteile mit Unterhaltsverpflichtungen: Eine monatelange Einkommenslücke lässt sich hier selten auffangen.

Worauf Sie beim Abschluss achten sollten

Nicht jeder Tarif funktioniert gleich. Diese Punkte entscheiden über die Qualität eines Vertrags:

Verzicht auf abstrakte Verweisung. Die Versicherung darf Sie nicht auf irgendeinen anderen Job verweisen. Die Entschädigung gilt für die Unfähigkeit, Ihren Beruf auszuüben.

Nachversicherungsgarantie. Steigt Ihr Gehalt, sollten Sie das Krankentagegeld erhöhen können — ohne erneute Gesundheitsprüfung. Sonst entsteht mit der Zeit wieder eine Lücke.

Beitragsbefreiung im Leistungsfall. Während Sie Krankentagegeld beziehen, sollten keine Beiträge anfallen. Bei guten Tarifen ist das Standard — aber nicht selbstverständlich.

Weltweiter Schutz. Wer viel reist oder zeitweise im Ausland arbeitet, sollte darauf achten, dass der Schutz nicht an der deutschen Grenze endet.

Leistung auch bei Pflegebedürftigkeit. Manche Tarife zahlen nur bei Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit. Bessere Tarife decken auch Pflegebedürftigkeit ab.

Wie hoch sollte das Krankentagegeld sein?

Faustformel: Nettoeinkommen minus gesetzliches Krankengeld ergibt die Lücke. In der Praxis sind das häufig 30 bis 50 Euro pro Tag für Angestellte. Für Selbstständige kann es deutlich mehr sein.

Wichtig: Das Krankentagegeld darf das Nettoeinkommen nicht übersteigen. Versicherer prüfen das und begrenzen die Leistung entsprechend.

Selbstständige sollten zusätzlich die laufenden Betriebskosten berücksichtigen — Büromiete, Gehälter, Leasingraten. Die laufen auch dann weiter, wenn kein Umsatz hereinkommt.

Krankentagegeld und Berufsunfähigkeitsversicherung — wie hängt das zusammen?

Die Frage kommt in der Beratung regelmäßig. Die beiden Produkte sichern unterschiedliche Zeiträume ab:

Krankentagegeld greift bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit oder Verletzung. Die Annahme: Sie werden wieder gesund und kehren an die Arbeit zurück.

BU-Versicherung greift, wenn Sie dauerhaft zu mindestens 50 Prozent nicht mehr in der Lage sind, Ihren Beruf auszuüben — der schwerwiegendere Fall.

In der Praxis können beide ineinandergreifen: Wer zunächst krankgeschrieben ist und später als berufsunfähig eingestuft wird, erhält übergangsweise das Krankentagegeld — und danach die BU-Rente. Wer nur eines von beiden hat, hat eine Lücke.

Was Sie jetzt tun können

Berechnen Sie zunächst Ihre eigene Lücke: Nettoeinkommen minus 90 Prozent ergibt einen ersten Anhaltspunkt. Für Selbstständige ist die Rechnung komplexer, weil Betriebskosten separat erfasst werden sollten.

Gesundheitsfragen müssen vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden. Auch beim Krankentagegeld wird der Gesundheitszustand beim Abschluss geprüft. Unvollständige Angaben riskieren im Leistungsfall eine Ablehnung.

Wenn Sie unsicher sind, welche Kombination aus Krankentagegeld, BU und weiteren Absicherungen für Ihre Situation passt, sprechen Sie uns an. Wir schauen uns Ihre Lage konkret an — ohne Standardlösung.

Quellen: GKV-Spitzenverband – Krankengeldbericht 2025; Bundesministerium für Gesundheit – Krankengeld und Krankentagegeld 2026; PKV-Verband – Zahlenbericht 2025; Finanztip – Krankentagegeld für Selbstständige; Stiftung Warentest – Krankentagegeld im Vergleich. Stand: Juli 2026.

LB

Lukas Bruhn

Versicherungsspezialist · VPO Finance GmbH

Spezialist für Hinterbliebenenabsicherung, die Absicherung der Arbeitskraft und Sachversicherungen. Erklärt komplexe Themen verständlich — ohne Fachchinesisch.

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